Richtlinien für die gesellschaftliche Verantwortung von KMUs

Entrepreneurship

Gesellschaftliche Verantwortung – oder trendiger formuliert „Corporate Social Responsibility“ (CSR) – dient zur nachhaltigen Geschäftsentwicklung. Bei Grossunternehmen haben sich gewisse Richtlinien bereits durchgesetzt, während sie bei den KMUs noch in den Kinderschuhen stecken. Stefan Grob, Unternehmensberater und Kommunikationsfachmann, hat mit seiner Masterarbeit einen CSR-Leitfaden entwickelt, der auch in KMUs für ein CSR-Konzept eingesetzt werden kann.

Viele Menschen betrachten die Folgen einer globalisierten Marktwirtschaft mit Unbehagen. Boni-Exzesse bei Managern, die Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlage, die zunehmenden sozialen Ungleichgewichte oder Kinderarbeit und Korruption – solche Ereignisse haben das Vertrauen der Gesellschaft in die Wirtschaft stark erschüttert. Als Gegenbewegung dazu taucht immer öfter der Begriff Corporate Social Responsibility auf. Er bezeichnet die freiwillige Übernahme von Verantwortung durch Organisationen in transparenter und ethischer Weise, um zur nachhaltigen Entwicklung, Gesundheit und Wohlfahrt der Gesellschaft beizutragen.
Dabei sollen die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen (Stakeholder) ausgewogen berücksichtigt werden. Dazu gehören Kunden, Mitarbeitende, Kapitalgeber, Konkurrenz, Partner und Lieferanten – aber auch der Staat, die Öffentlichkeit beziehungsweise die Medien sowie gemeinnützige Organisationen. Die Einbindung aller Aktivitäten in die Unternehmensstrategie und damit deren strategische Ausrichtung im Sinne eines CSR-Konzeptes schaffen Mehrwert und wirken sich positiv auf das Firmen- und Markenimage aus.

Leitfaden „verantwortliche Unternehmensführung für KMUs“ 

Ende 2010 hat die Internationale Normierungsorganisation (ISO) unter dem Begriff ISO 26’000 erstmals einen weltweit gültigen Leitfaden für Social Responsibility vorgelegt. Damit existiert eine konkrete, kultur- und länderübergreifend anerkannte Orientierung über unternehmensstrukturelle und -kulturelle Bedingungen, die ein ethisch gerechtfertigtes Verhalten ermöglichen. Da das Konzept ISO 26’000 für KMUs allerdings zu umfangreich ist, entwickelte Stefan Grob, Inhaber der Complecta GmbH, einen Leitfaden, der den praktischen Nutzen und die einfache Umsetzbarkeit speziell für KMUs in den Vordergrund stellt.
Ein KMU hat aufgrund seiner Flexibilität und Innovationskraft besonders gute Voraussetzungen, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Im Gegenzug profitiert das Unternehmen von höherer Motivation, Loyalität und Produktivität der Mitarbeitenden und einer besseren Reputation in der Öffentlichkeit. Das Vertrauen der Kundschaft und Lieferanten steigt, während die Gesellschaft das Engagement mit langfristiger Anerkennung lobt.
Der von Stefan Grob ausgearbeitete CSR-Leitfaden umfasst sieben Richtlinien, die der Unternehmensführung von KMUs als praktikables Managementsystem dienen.

1. Organisation und Strategie
Nur wenn die gesellschaftliche Verantwortung in der Unternehmensstrategie verankert ist, kann garantiert werden, dass CSR auch gelebt und umgesetzt wird. Besonders wichtig sind dabei folgende Fragen: Wurden die Gedanken zu CSR in Vision, Mission und Leitbild integriert? Macht die Bildung eines CSR-Teams Sinn oder reicht es, eine verantwortliche Person zu ernennen?

 2. Stakeholder
Der Einbezug und Dialog mit allen Anspruchsgruppen ist wichtig, weil dadurch Konflikte vermieden und Verständnis für das Unternehmen geschaffen werden können. Grundsätzlich soll man sich die Frage stellen: Wer könnte von der Unternehmenstätigkeit betroffen sein?

 3. Mitarbeiter
KMUs sind besonders geprägt von den einzelnen Mitarbeitenden. Verantwortungsvolle Unternehmensführung berücksichtigt und schützt die Bedürfnisse dieser und beantwortet Fragen wie: Ist der Arbeitsplatz sicher? Dabei gilt es, sowohl physische als auch psychologische Sicherheit zu garantieren. Besitzen Mitarbeitende ein Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht? Können sie sich entwickeln?

 4. Kundenanliegen
Die Kundenanliegen gilt es strategisch zu erfassen und nachhaltig zu berücksichtigen. Dabei treten beispielsweise folgende Fragen auf: Welche Informationsbedürfnisse hat die Kundschaft? Sind die Produkte sicher? Können die Produkte negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten haben? Fördern unsere Produkte einen nachhaltig orientierten Konsum?

 5. Faire Geschäftspraktiken
Die Beziehungen zu anderen Organisationen wie Lieferanten, Partnern oder Mitbewerbern und das Verhalten gegenüber diesen sollen fair sein. Darum muss Korruption in der gesamten Wertschöpfungskette verhindert werden. Konkret heisst das: Kartelle unterbinden und auch die Partner und Lieferanten zur gesellschaftlichen Verantwortung ermutigen.

 6. Umwelt
Unternehmerische Aktivitäten haben immer eine Auswirkung auf die Umwelt. Verantwortung für die Umwelt ist eine Bedingung für das Überleben und den Wohlstand der Menschen. Deshalb müssen sich Unternehmen die Fragen stellen: Wie reduzieren wir die Umweltbelastung? Was tragen wir dazu bei, Ressourcen nachhaltiger zu nutzen? Wie verhindern wir die Zerstörung natürlicher Lebensräume? Welchen Beitrag leisten wir, den Klimawandel abzuschwächen?

 7. Gemeinschaft
KMUs sind eng mit lokalen Gemeinschaften vernetzt. Darum ist der Dialog mit lokalen Gemeinschaften ein zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Verantwortung. Der Dialog kann durch Partnerschaften mit örtlichen Organisationen und Behörden erfolgen. Weiter sind Beteiligungen an öffentlichen Vereinigungen im Interesse des Gemeinwohls wichtig. Transparente Beziehungen zu Politikern und Behördenvertretern helfen hier genauso wie die Förderung von Bildung und Kultur. Regional besonders wichtig ist die Schaffung von Arbeitsplätzen und damit einhergehend der Wohlstand der Bevölkerung.


Nur wenn die gesellschaftliche Verantwortung glaubhaft, nachhaltig und konsequent umgesetzt wird, kann sie zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Die Realisierung dieser unternehmensspezifischen Massnahmen findet dabei im Alltag statt, sprich im operativen Bereich. Die Umsetzung sollte deswegen unbedingt mit dem Managementsystem verknüpft sein. Wird CSR in alle Unternehmensprozesse und Steuerungssysteme integriert, findet die gesellschaftliche Verantwortung in das Selbstverständnis Eingang.

Weitere Informationen:
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